Schloss und Schlosspark Neckarhausen

Das Schloss

Das heutige Schloss hat seinen Ursprung in der alten Thurn und Taxi´schen Posthalterei, die wahrscheinlich seit 1614   in Neckarhausen bestand. In diesem Jahr wurde eine zwischen Rheinhausen bei Speyer und Frankfurt verlaufende Postroute eröffnet. Der Postverkehr ging in Neckarhausen mit der Fähre über den Neckar. 1667 beschloss der Rat  der Stadt Mannheim, dass der Stadtbote Lorenz Gilles wöchentlich zweimal Briefe und Pakete von Neckarhausen abzuholen und dorthin zu schaffen habe. Posthalter von Neckarhausen waren Hans Philipp Kleinklos,  Hans Jakob Fillbrunn und Johann Michael Susmann.

In einem 1682 erstellten Verzeichnis der Güter, die Hans Georg Fillbrunn von seinem Vater geerbt hatte, geht die Lage des bebauten Grundstücks an der Stelle des heutigen Schlosses und Parks eindeutig hervor. Nach dem frühen Tod des Posthalters Hans Georg Fillbrunn im Jahr 1687 ging sein Besitz auf seine junge Witwe Anna Margaretha über. Diese heiratete noch im gleichen Jahr Johann Michael Susmann, der damit das Posthalteramt in Neckarhausen übernahm und Besitzer der Poststation sowie eines beträchtlichen Teils der ehemals Fillbrunnschen Güter wurde. Johann Michael Susmann bekleidete von 1697 bis 1727 das Amt des Schultheißen von Neckarhausen, außerdem war er Gastwirt, Viehhändler und Geldverleiher. 1699 wurde die Posthalterei Neckarhausen aufgelöst bzw. nach Mannheim verlegt.

Der älteste Sohn Johann Georg (1694-1775), seit 1739 von Susmann, machte eine steile Karriere und brachte es bis zum Vizekanzler am kurpfälzischen Hof unter Carl-Theodor. Noch vor 1746 baute er auf dem Gelände der alten Poststation ein standesgemäßes Herrenhaus.

Freiherr Franz Albert von Oberndorff (1720-1799), seit 1790 Reichsgraf, erwarb 1777 das Susmann´sche Gut in Neckarhausen. Bei dem Eisgang von 1784 wurden die Gebäude schwer beschädigt und danach wieder instand gesetzt. Der barocke Landsitz bestand aus zwei Häusern, nämlich einem zweigeschossigen Mittelbau als Herrenhaus und dem linken Eckpavillon. Auf der rechten Seite erstreckte sich eine Scheune. Zwischen Herrenhaus und Eckpavillon lag das Blumengärtchen, zwischen Herrenhaus und Scheune lag die Einfahrt.

Unter der Leitung des Architekten Jakob Friedrich Dyckerhoff (1789-1859) ließ Alfred von Oberndorff in den Jahren 1824/25 im Herrenhaus das zweite Obergeschoss zu einem vollen Geschoss ausbauen. Gleichzeitig wurde an der Fassade der Stuckfries und eine geänderte Fenstergestaltung ausgeführt. Hierdurch erlangte das Schloss sein klassizistisches Aussehen.

Bei dem Gefecht am 21. und 22. Juni 1849 zwischen Truppen des Deutschen Bundes und badischen Freischärlern wurde das Schloss beschädigt. Hiervon zeugen noch die in der Fassade eingemauerten Kanonenkugeln. Bei einem Umbau noch vor 1850 wurde das bis dahin freistehende Herrenhaus mit den beiden Seitengebäuden durch Terrassen verbunden.

Der wesentliche Schritt zur heutigen Schlossanlage wurde im Auftrag des Grafen Friedrich von Oberndorff durch den Umbau 1910/11 unter dem Architekten Leonhard Schäfer aus Darmstadt vollzogen. Die Eckpavillons wurden um ein Halbgeschoss erhöht, die Verbindungsbauten aufgestockt, die linke Einfahrt geschlossen und ein Treppenhaus für die Nebentreppe an der Hoffront errichtet. Diesem Umbau verdankt das Schloss sein heutiges Aussehen.

1961 kaufte die Gemeinde Neckarhausen das Schloss (einschließlich der Parkanlagen) und ließ es Ende der siebziger Jahre grundlegend renovieren. Es wird heute von der Verwaltung und einigen Vereinen genutzt. Es beherbergt zudem eine öffentliche Bücherei und ein Gemeindemuseum.


Der Schlosspark

Der Schlosspark von Neckarhausen, der sich - rund drei Hektar groß - westlich des Schlosses erstreckt, war ursprünglich nur ein Teil der zum Schloss gehörenden Gartenanlagen. Der Gemarkungsplan von 1789 weist aus, dass die Gartenanlagen beim Schloss aus drei voneinander getrennten Teilen bestanden. Zwischen Neckar und Schloss, getrennt durch die Hauptstraße, war ein Landschaftsgarten angelegt. Zwischen dem Herrenhaus und dem Eckpavillon gab es ein Blumengärtchen in strenger Symetrie. Auf der Rückseite des Schlosses lag ein Nutzgarten, an dessen Nordwestseite (heutiger Kindergarten) sich ein kleiner Parkteil im englischen Stil anschloss.

          

Diese Gärten wurden ab 1783 nach den Plänen des berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig Sckell angelegt, dessen Dienstherr am kurpfälzischen Hof Franz Albert von Oberndorff war. Erst 1828 wurde die Umgestaltung des Nutzgartens hinter dem Schloss zu einem Landschaftspark im englischen Stil in Angriff genommen.

Zwei bauliche Zeugnisse aus dieser Zeit sind noch erhalten. Der Eiskeller diente dazu, die im Winter aus dem zugefrorenen Neckar gesägten Eisblöcke bis in den Sommer hinein zu speichern. Die Kapelle wurde ursprünglich als Teehaus genutzt und erst Anfang des 20. Jahrhunderts zur Kapelle umgestaltet. Heute kann das Inventar der Kapelle im Gemeindemuseum besichtigt werden.

Die Gemeinde Edingen-Neckarhausen ist bestrebt den Park zu erhalten und zu pflegen. Sie wird hierbei vom Verein der Schlossparkfreunde unterstützt.