Club des Légendes

Chronik einer Reise nach Plouguerneau

(24.05. - 01.06.1996)

von Almuth Laschefski


Wir machen uns auf die weite Reise nach Frankreich, nach Plouguerneau.
Der Bus hat ein wenig Verspätung. Dann geht´s los und alle sind froh.
Wir sind zweiundvierzig Personen, der Bus ist ganz neu und bequem,
Reiseleiter sind Gerhard und Erwin, Busfahrer Jean ist jung und schön.
Die Fahrt geht sanft in den Abend, wir machen Rast bei Verdun,
und viele genießen jetzt erstmal "Fromage avec bon vin".
Dann wird´s ruhig im Bus, alle schlafen und werden in Paris wieder wach,
sehn das nächtliche Treiben, die Seine, dem erleuchteten Eiffelturm nach.
Von hier übernimmt unser Jean jetzt das Steuer am Bus ganz allein,
er wird durch die ganze Woche ein sicherer Fahrer uns sein.
Wir schlafen dann weiter. Am Morgen bereitet Jean Kaffee an Bord.
Brot gibt es in Rennes an der Tankstell´, und wir fahren weiter fort.
Auf der langen, weiten Reise hat Gerhard uns sehr viel erzählt
von all den schönen Orten, die er für uns ausgewählt.
Am Hotel "Castel Ac´h" sind wir pünktlich, da finden schon viele ihr Bett.
Die anderen wohnen bei Freunden, die freu´n sich, empfangen sie nett.
Im "Maison Communale" gibt´s dann Essen beim offiziellen Empfang.
Bürgermeister Le Ven hält ´ne Rede, die ist, Gott sei Dank, nicht sehr lang!
Erwin übersetzt seine Worte und alle klatschen Applaus.
Dann gehen zum Mittagsschläfchen erst einmal alle nach Haus.

Am Pfingstsonntag singt bei der Messe der "Chorale Kenvroiz Dom Mikael".
Mit dem Chor hat die "Jumelage" begonnen, das hatte uns Gerhard erzählt.
Wir wollen ´ne Schiffsrundfahrt machen, und das bei Regen und Wind!
Es dauert eine Weile, bis an Bord endlich alle sind.
Wo bleibt nur der Gerhard? - Wir starten, da winkt er vom Ufer aus her.
Ein Junge holt ihn mit ´nem Bootchen. - Wir fahren entlang dem "Aber".
Mit dem Bus über Land geht es weiter - wie groß ist doch dies Plouguerneau!
Gerhard erzählt Anekdoten und fragt manchmal: "Wo sind wir nur, wo?"
Dann brauchen wir gar einen Lotsen zur "Pont du diable" hinaus,
zu Fuß geht´s da runter. Doch Hilfe - wie sehn unsre Schuhe jetzt aus!
Jean sagt: "Bis wir heimkommen, wachsen Kartoffeln in meinem Bus!"
Das Partnerschaftskomitee mit den Spanferkeln lang auf uns warten muß.
Deutsch-französische Freundschaft vertieft sich beim Essen und roten Wein.
Man unterhält sich vorzüglich. So muß "Jumelage" immer sein.

Montag geht es dann weiter so schön an der Küste entlang.
"Wo ist der Menhir von Kerloas?" - fragt Gerhard sich schließlich bang.
Frau Plitzko findet ihn schließlich. Der Menhir ist 10 Meter hoch!
Mit ´nem Fruchtbarkeitstanz wir ihn ehren. Ein Handstand mißlingt leider noch.
Und dann in den Meereswogen tanzen vier Damen am Strand.
Herr Honsel schwimmt in der Brandung. Die anderen frieren im Sand.
Die Fahrt geht zu Felsen und Klippen, Strandnelken, die blühen so schön.
Doch für Jean wird die Sache gefährlich, er muß ja den Bus wieder drehn.
Am Point Saint Mathieu ist es herrlich, weit übers Meer geht der Blick.
Da ist dann der Ausflug zuende, hungrig und müd´ geht´s zurück.

Am Dienstag geht´s los mit Verspätung, Herr Fuchs ist am Morgen krank.
Doch abends geht´s ihm wieder besser, der freundlichen Pflege sei Dank.
Das Fischerei-Museum besuchen wir in Concarneau.
Das ist ´ne Stadt auf ´ner Insel, man nennt das "Ville close".
Wiener Schnitzel zum Mittagessen - in Frankreich - man glaubt es nicht.
Schüler, die Kochen lernen, servieren uns in Trégunc dies Gericht.
In Quimper, da kann man studieren, wie schönes Geschirr wird gemacht,
manch einer hat sich von dort jetzt ein Andenken mitgebracht.
Wir bewundern die Kathedrale, die alten Straßen der Stadt.
Noch einmal steigen wir aus in einem Ort, der ´ne Mauer drum hat.

Der Gerhard erklärt und belehrt uns, es sind viele Legenden dabei,
und täglich gibt´s immer mal wieder ein Überraschungsei:
Mal ist´s eine Herde von Kühen, mal ´ne Sackgasse unten am Strand,
auch Oldtimer kreuzen die Straße, ein Wendemanöver im Sand.
Oft muß Jean mit dem Bus uns fahren auf Wegen ganz eng und ganz krumm,
und an den vielen Kreiseln immer noch einmal rund `rum.
Lang und vergnügt sind die Nächte an der Bar vom Castel Ac´h,
und einige unserer Herren sind morgens noch nicht richtig wach.

Mittwoch beginnt mit Kultur, Saint Thégonnec, Guimiliau, die Calvaires,
das sind zwei große Kirchen und drum herum noch viel mehr.
Da gibt es viel zu entdecken an den vielen Figuren aus Stein.
Und weiter geht dann die Reise im herrlichen Sonnenschein.
An die alten Zeiten erinnern die Mühlen von Kerouat.
Dann essen wir gut und wandern in den Wäldern von Huelgoat:
Teufelsschlucht, Wackelfelsen und das Camp von dem König Artus,
das sind so tolle Plätze, die man gesehn haben muß!
Ein "Club der Legenden" wird gegründet, und alle tragen sich ein.
Wer möchte schon abseits stehen bei so einem flotten Verein.
Den Adalbert Zieher hat man dabei zum Präsidenten gewählt.
Leck´re Crêpes hat man dabei gegessen, bei Cidre Legenden erzählt.

                      

Der Markt von Plouguerneau zieht am Donnerstag uns magisch an,
weil man da gemütlich bummeln und Mitbringsel einkaufen kann.
Wir suchen den Hafen von Brest und fahrn kühn in ein Sperrgebiet rein.
Doch erlaubt man dem Jean zu wenden, dort, wo es heißt: "Streng geheim!"
Der Höhepunkt unserer Reise ist in Brest eine Fahrt mit dem Schiff.
Das Essen an Bord ist fantastisch, gibt dazu den letzten Schliff.
Erdbeertort "Jumelage" als Nachtisch, dreieinhalb Stund´ auf dem Meer.
Wir leben wie "Gott in Frankreich", wo bietet man uns noch mehr?!
Im Marine-Museum von Brest, in der Festung, da gibt´s viel zu sehn,
Schiffsmodelle und Bilder von Schlachten, auch der Weg durch das Schloß ist sehr schön.
Die Aussicht von da oben auf die Rade von Brest - wunderbar,
da sind alle drei Häfen zu sehen, der Himmel ist blau und klar.
Heimwärts geht´s über kleine Straßen, wir haben ja noch soviel Zeit.
"Hier sind wir noch nie gefahren.", der Gerhard ruft es erfreut.

Am Freitag heißt´s Abschiednehmen, der letzte Tag fängt an,
die schöne Wallfahrtskirche von Le Folgoet steht noch auf dem Programm.
Auf dem Deutschen Soldatenfriedhof schauen wir uns auch einmal um
und laufen und kaufen noch etwas in Lesneven herum.
Dann muß man Koffer packen, wir schauen nochmals übers Meer.
Und jeder wünscht sich im Herzen: Hier möchte ich noch einmal her!
Eine Wette wird abgeschlossen: Die Flut steigt fast bis ans Haus.
Die Wett` hat der Gerhard gewonnen, und Adalbert gibt einen aus.
Ein Abschiedsessen mit Freunden am hübsch gedeckten Tisch,
diesmal gibt´s Meeresfrüchte und einen köstlichen Fisch.
Die Freunde bleiben und winken beim Sonnenuntergang.
Die Rückfahrt bei Vollmond geht zügig auf der Autobahn entlang.
In Paris am frühen Morgen fährt Jean uns ´ne Stund durch die Stadt,
wir sehen die wichtigsten Plätze und essen zum Frühstück uns satt.

Vergessen wir nun nicht zu danken für diese schöne Zeit.
Zu schnell vergingen die Tage, sind jetzt schon Vergangenheit.
Gerhard und Erwin, den beiden, die all das geplant und erdacht,
ihnen sei mit diesen Versen ein herzliches "Danke" gesagt.
Solange es Leut´ gibt wie diese, kann Jumelage gedeihn.
Jeder kann da seinen Beitrag leisten und sei er auch noch so klein.
Beim 30. Geburtstag, da sind wir wieder dabei.
Drum jetzt "Auf Wiedersehen - im nächsten Jahr im Mai!"

 

Von der Bretagne verzaubert - 1996

Club des Légendes auf großer Fahrt - 1998

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